Eine qualitative Umfrage unter Mitgliedern der SWISS RETAIL FEDERATION zeigt ein uneinheitliches Bild bezüglich der Auswirkungen des Hitzesommers auf den Geschäftsgang der Detailhandelsunternehmen. Während die Nachfrage nach Produkten des täglichen Bedarfs robust blieb und sich für diverse Sommerprodukte wie Getränke, Glacé oder Grilladen sogar sehr erfreulich entwickelte, berichten zahlreiche Unternehmen von einer erhöhten Preissensibilität der Konsumentinnen und Konsumenten, die sich in spürbar tieferen Warenkörben niederschlug. Vor allem aber hat das anhaltend sonnige und heisse Wetter die Nachfrage deutlich zwischen Sortimenten verschoben und dadurch besonders in verschiedenen Non-Food- Segmenten den Übergang zum Herbstgeschäft massiv verzögert.
Der Sommer war zu heiss und vor allem viel zu lang
Besonders betroffen sind die Branchensegmente Fashion und Schuhe, aber teilweise auch Sport und Outdoor. Während bis weit in den September hinein leichte Sommerbekleidung äusserst gefragt war, blieben viele Händler bislang auf ihren Herbstsortimenten sitzen: Die Nachfrage nach Jacken, Sweatshirts, wärmerer Bekleidung und Regenartikeln war im September äusserst schwach.
Die negativen Effekte der verschobenen Nachfrage wurde gemäss der Mehrheit der befragten Unternehmen durch einen spürbaren Rückgang der Kundenfrequenz in den stationären Geschäften noch verstärkt. Unternehmen mit mehreren Standorten in Innenstädten sowie in Einkaufszentren berichten von einer signifikanten Verschiebung der Kundenströme weg von städtischen Hitzeinseln und hin zu den klimatisierten Räumlichkeiten der Einkaufszentren.
Herbstgeschäft startet verspätet
Während die verlorene Nachfrage infolge des verzögerten Herbstbeginns kaum noch vollständig wett gemacht werden kann, bietet das für die nächsten Tage angesagte kühlere und wechselhaftere Wetter dennoch eine willkommene Chance für die Detailhändler, zumindest einen Teil des verlorenen Geschäfts zurückzugewinnen. «Der Hitzesommer hat verändert, was, wann und wo eingekauft wurde. Mit den tieferen Temperaturen kommt nun die Chance für das Herbstgeschäft. Entscheidend ist, dass der stationäre Handel diese Nachfrage unter möglichst guten Rahmenbedingungen nutzen kann», sagt Patrick Erny, Direktor der SWISS RETAIL FEDERATION.
Appell an die Kantone und Gemeinden
Vor diesem Hintergrund fordert die SWISS RETAIL FEDERATION die Kantone und Gemeinden auf, den Detailhandel mit Blick auf das nun anstehende, verkürzte Herbstgeschäft mittels pragmatischer Massnahmen zu unterstützen. So ist in den Kantonen die maximal zulässige Anzahl der Sonntagsverkäufe konsequent auszunutzen. Ausnahmegesuche für zusätzliche Öffnungen am Abend oder am Wochenende sind unbürokratisch zu bewilligen. Grundsätzlich sind die Bewilligungsprozesse der Kantone und Gemeinden, etwa für Verkaufsveranstaltungen, Allmendnutzungen sowie Planungs- und Bauverfahren kurzfristig pragmatischer handzuhaben und langfristig generell zu verschlanken.
Um die Geschäftstätigkeit der Detailhändler für den Rest des Jahres – aber auch darüber hinaus – möglichst uneingeschränkt zu gewährleisten, ruft die SWISS RETAIL FEDERATION die Kantone und Gemeinden zudem dazu auf, bei der Baustellenplanung die Erreichbarkeit und Zugänglichkeit von Geschäften zu optimieren und – wo zeitliche Spielräume bestehen – entsprechende Bautätigkeiten zu verschieben.

Lesedauer: 3 Minuten

