Im Zug von Olten nach Zürich. Mitten am Nachmittag. Angenehm leer und ruhig ist es.
Eine Frau um die 40 (nennen wir sie der Einfachheit halber Andrea) wählt in einem leeren Viererabteil den Fensterplatz in Fahrtrichtung und vertieft sich in ihr Handy.
Mitten auf der Strecke kommt eine Frau im Pensionsalter durch den Gang und setzt sich umständlich zu Andrea ins Abteil. Sie hat viel Gepäck dabei, prustet sich die langen Haare aus dem Gesicht.
Andrea schaut rasch auf und mustert die Frau Typ Bioladen - in Andreas Blick ein Funke von «das kann ja was werden».
Nach einem kurzen Moment lehnt sich die Alte mit grossen Augen zur Jungen rüber und lässt laut den Klapptisch auf Andreas Seite aufknallen. Andrea klappt das Tischchen ruhig wieder zurück.
Dasselbe geschieht noch einmal. Man hat fast das Gefühl, in der Mimik der Pensionärin schwinge etwas provozierend Légères mit; ein Hauch von «Schau, da hast du jetzt den Salat».
«Möchted Sie gern rede?», fragt Andrea nach dieser Tischchenattacke nun ruhig. Die andere, mit einer Engelsstimme: «Ich möcht Ihne am liebschte eis ad Ohre gäh!» - «Dänn gangi doch gschiider in es anders Abteil», antwortet Andrea überraschend gelassen, «dänn müend sie nöd immer dadrüber naastudiere.»
Sagt es, packt ihre sieben Sachen und zieht ein Abteil weiter, als ob sie sich vor dieser tickenden Zeitbombe in Sicherheit bringen wolle.
Die Grauhaarige bleibt bis Zürich alleine in Andreas altem Abteil sitzen. Das Tischchen bleibt zu.
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