Die Kritik feiert Vilde Frang, als eine Ausnahmekünstlerin, deren Spiel durch eine „atemberaubende Intensität und eine fast schon unheimliche klangliche Differenzierung besticht.“ In ihrem Auftaktprogramm als Artist in Residenz hat sie sich von der Musik Ungarns inspirieren lassen. Auf der Suche nach einer eigenen Musiksprache beschäftigte sich schon Béla Bartók nach seinem Studium intensiv mit der Volksmusik seiner Heimat. Bartók wanderte zu den Bauern nach Transsilvanien, in den Balkan und bis in die Türkei. Im Gepäck hatte der 25jährige Feldforscher einen Phonographen, der mit rotierenden Walzen die Musik vor Ort aufnehmen und wiedergeben konnte. Heute sind Bartóks Aufnahmen wertvolle Dokumente einer verlorenen Zeit, die er selbst akribisch analysierte und für das eigene Komponieren nutzte. Dabei geht er einen besonderen Weg, in dem er Volksmusik weder imitiert noch zitiert, sondern auf abstrakte Weise in seinen Kompositionsstil einbaut. Seine 1. Violinsonate markiert einen Gipfelpunkt der Moderne in der Musik, da sie neben radikalen Neuerungen des musikalischen Ausdrucks auch die Auseinandersetzung des Komponisten mit der Volksmusik widerspiegelt. Im Unterschied dazu legen die Ungarischen Tänze von Johannes Brahms Zeugnis davon ab, wie man Volksmusik aus dem Blickwinkel der Romantik zu gehobener Unterhaltungswerke stilisierte.
18.45 Uhr, Biblioteca Papio: Introduzione – Konzerteinführung, Davide Fersini (Musiker & Musikredaktor RSI) – in italienischer Sprache (deutscher auf Anfrage)
Vilde Frang, Violine
Artist in Residence 2026
Benjamin & Salamon Eredics, Akkordeon, Flöte, Tambura (Mandoline)
Martin Helmchen, Klavier
Béla Bartók (1881-1945)
Violinsonate Nr. 1 Sz. 75
Pause
Ungarische Folklore (nach Ansage)
Johannes Brahms (1833-1897)
Ungarische Tänze (Auszüge nach Ansage)
Béla Bartók (1881-1945)
Volkstänze (Auszüge nach Ansage)
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