Damaris Betancourt “HABANA SIGLO XXI”


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Damaris Betancourt “HABANA SIGLO XXI”

Datum:
09.07.2026 - 31.08.2026
Ort:
Zug, Fotoforum Zug
Details:

Vor über 30 Jahren habe ich Havanna verlassen. Bei jedem Besuch in meinem Viertel muss ich feststellen, dass nicht nur Freunde und Nachbarn nach und nach weg sind, sondern auch die Orte meiner Kindheit und frühen Jugend zwischen Nachlässigkeit und Trümmern immer mehr verschwinden. Um auf dieses Phänomen aufmerksam zu machen, kam ich 2010 auf die Idee, einen visuellen Zustandsbericht zu erstellen, denn Fotografie ist in erster Linie ein Zeugnis der Zeit und trägt, wie ein winziges Teilchen eines riesigen Puzzles, dazu bei, unsere Sicht der Geschichte zu vervollständigen. Betrachtet man das heutige Kuba, ist es für viele schwer vorstellbar, dass die Insel während der Industriellen Revolution eine enorme technologische Modernisierung erlebte, die nach der Unabhängigkeit von Spanien in der republikanischen Periode ihren Höhepunkt erreichte .Doch historisches und bildliches Material zeugt davon. Unter anderem trugen die Expansion und Weiterentwicklung der Zuckerindustrie zum wirtschaftlichen Aufschwung bei. Diese Faktoren und die privilegierte Lage der Insel machten Havanna zu einer kosmopolitischen Metropole und zum Zentrum eines bewundernswerten kulturellen Lebens. Ich bin in den 70er- und 80er-Jahren in Havanna aufgewachsen. Damals zeigte die Stadt noch einige glanzvolle Überreste davon, was sie einmal war. Es war wundervoll, durch die Stadt zu schlendern und die Zeit zu vergessen, während ich ihre Ecken und Winkel erkundete. Dort am Meer zu stehen und die salzige Brise auf meinem Gesicht zu spüren, kam dem Glück am nächsten. Wenn ich heute durch die Stadt laufe, überkommt mich jedoch eine tiefe Traurigkeit. Havanna, die einst Hunderttausenden von Einwanderern als Zufluchtsort diente, erleb theute, wie ihre Wohnviertel und Häuser zunehmend verwaist werden. Nur 506 Jahre nachihrer Gründung verschwindet die Stadt wie eine Sandburg, die einem Sturm ausgesetzt ist. Es ist, als hätte sie, erschöpft von Indifferenz und Vernachlässigung, beschlossen, sich ihrer Gebäude und ihrer Alleen zu entledigen. Dies ist keine Ode an Havanna, sondern ein Requiem. Es ist eine Sammlung von Orten, Momenten und Zufällen, die sich dort zeigen. Es ist die Chronik eines schleichenden Verfalls, ein Versuch, die Stadt, in der ich geboren wurde, festzuhalten, bevor sie endgültig verschwindet. Damaris Betancourt

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