FHNW - Hochschule für Soziale Arbeit: Gesundheit digital: Ältere Menschen informieren sich im Internet


Fachhochschule Nordwestschweiz
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16.04.2026, Vier von fünf Senior:innen in der Schweiz informieren sich online über Gesundheitsthemen. Allerdings fällt die Beurteilung der Informationen vielen von ihnen schwer: Eine neue Studie der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW zeigt, dass 86% der Senior:innen über eine eingeschränkte digitale Gesundheitskompetenz verfügen.

Hohe Nutzung digitaler Gesundheitsinformationen

Rund vier von fünf Personen über 60 Jahren, die das Internet nutzen, suchen dort nach Gesundheitsinformationen. Drei Viertel der Befragten nutzen das Internet, um das eigene Verständnis ihrer Gesundheit zu verbessern, mehr als die Hälfte sucht gezielt nach Informationen zu Medikamenten oder Behandlungsmöglichkeiten.

Doch dabei muss differenziert werden: Viele ältere Menschen berichten zwar, dass sie Informationen online leicht finden und sie auch verstehen können. Deutlich schwerer fällt ihnen jedoch die kritische Bewertung und Einordnung dieser Gesundheitsinformationen. Schwierig ist insbesondere die Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit und die Frage, ob Inhalte zur eigenen Situation passen. Gerade im Gesundheitsbereich ist das Angebot an Informationen gross, unübersichtlich und in seiner Qualität sehr unterschiedlich.

Ein grosser Teil der befragten Personen weist eine eingeschränkte «digitale Gesundheitskompetenz» auf, also die Fähigkeit, sich im digitalen Raum sicher zu bewegen und Gesundheitsinformationen einzuordnen: Bei rund der Hälfte ist sie mangelhaft und bei einem weiteren Drittel problematisch. Dabei zeigt sich auch, dass die digitale Gesundheitskompetenz umso mangelhafter ist, je geringer die formale Bildung, je schwieriger die finanzielle Situation und je schlechter der subjektive Gesundheitszustand sind.

Digitaler Austausch: Potenzial vorhanden

Deutlich weniger verbreitet als die Informationssuche im Internet ist der digitale Austausch zu Gesundheitsthemen: Nur rund ein Drittel der älteren Menschen tauscht sich digital mit Ärzt:innen oder anderen Gesundheitsfachpersonen aus, etwa per E-Mail oder über Online-Portale.

Der Austausch mit anderen Betroffenen findet noch seltener statt, stösst jedoch auf Interesse: Rund ein Drittel kann sich grundsätzlich vorstellen, entsprechende Angebote künftig zu nutzen.

Vertrauen als zentrale Voraussetzung

Sowohl bei der digitalen Informationssuche als auch beim Austausch ist Vertrauen entscheidend. Als wesentliche Hürde geben die Befragten Unsicherheiten hinsichtlich der Vertrauenswürdigkeit von Informationen oder Angeboten an. «Vertrauen ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass ältere Menschen digitale Angebote überhaupt nutzen», sagt Studienleiter Prof. Carlo Fabian. «Unsicherheit führt oft dazu, dass sie darauf verzichten.» Besonders wichtig sind transparente Anbietende, verständliche Inhalte, der Schutz vor Fehlinformationen sowie ein sorgfältiger Umgang mit persönlichen Daten.

Mit dem Aufkommen neuer Technologien wie künstlicher Intelligenz (KI) dürften diese Herausforderungen weiter zunehmen. Zwar war KI nicht Gegenstand dieser Studie, doch deuten aktuelle Entwicklungen und andere Studien darauf hin, dass solche Anwendungen den Zugang zu digitalen Informationen erleichtern und gleichzeitig neue Anforderungen an deren Bewertung stellen.

Empfehlungen für Praxis und Politik

In einer digital geprägten Zukunft besteht das Ziel darin, älteren Menschen die eigenständige und sichere Nutzung digitaler Gesundheitsangebote zu ermöglichen. Um dies zu erreichen, leitet das Forschungsteam verschiedene Empfehlungen ab. Dazu gehören:

  • Die Einrichtung von niederschwelligen Lernangeboten wie lokalen «Digital Cafés», Techniksprechstunden oder Lerngruppen, in denen ältere Menschen digitale Kompetenzen sowie digitale Gesundheitskompetenzen aufbauen können.

  • Die Begleitung der älteren Personen bei der Suche und Bewertung von Gesundheitsinformationen, etwa durch Fachpersonen.

  • Stärkere Verpflichtung von Anbietenden digitaler Gesundheitsinformationen: Plattformen sollen transparente Quellenangaben, verständliche Inhalte und klare Qualitätsstandards gewährleisten, damit Nutzende verlässliche Informationen erkennen können.

  • Sicherung analoger Informations- und Austauschangebote, damit auch Personen ohne digitale Nutzung erreicht werden.

Zur Studie ReDiH

Die Studie «Regional Health Promotion in an Age-Friendly Digital World in Switzerland» untersuchte, wie Menschen ab 60 Jahren in der Schweiz digitale Gesundheitsinformationen und digitalen gesundheitsbezogenen Austausch nutzen, welche Motive sie haben und wo sie Barrieren wahrnehmen. Die Studie vereinte quantitative Befragung (1 325 Personen) und Workshops mit älteren Menschen, betreuenden Angehörigen und Fachpersonen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen. Die Studie lief von April 2023 bis März 2026 und wurde vom Schweizerischen Nationalfonds finanziert. Die Studienleitung hatten Prof. Carlo Fabian und Dr. Alexander Seifert inne. Ausserdem waren Yves Bachofner, Dr. Lucy Bayer-Oglesby und Samin Sepahniya Mitglieder des Projektteams.

Kontakt

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Hochschule für Soziale Arbeit

Prof. Carlo Fabian

Leiter Institut Soziale Arbeit und Gesundheit

Riggenbachstrasse 16

4600 Olten

T +41 62 957 22 12

M carlo.fabian@fhnw.ch

Die Hochschule für Soziale Arbeit FHNW mit Standorten in Olten und Muttenz ist lokal und regional verankert, international vernetzt und in ihren Leistungen in Aus- und Weiterbildung, Forschung und Dienstleistung breit anerkannt. In ihrem Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt «Soziale Innovation» analysiert, initiiert und begleitet sie Innovationsprozesse in Kooperation und im Austausch mit der Praxis. Sie fördert damit die Professionalisierung der Sozialen Arbeit und trägt massgeblich zum Verständnis und zur innovativen Bearbeitung sozialer Probleme und gesellschaftlicher Herausforderungen bei.

Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW
Dominik Lehmann
Leiter Kommunikation FHNW
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5210 Windisch
T +41 56 202 77 28
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Über Fachhochschule Nordwestschweiz:
Die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW umfasst zehn Hochschulen mit den Fachbereichen Angewandte Psychologie, Architektur, Bau und Geomatik, Gestaltung und Kunst, Informatik, Life Sciences, Musik, Lehrerinnen- und Lehrerbildung, Soziale Arbeit, Technik und Umwelt sowie Wirtschaft. Die Campus der FHNW sind in den vier Trägerkantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn angesiedelt.

Rund 14 500 Studierende sind an der FHNW immatrikuliert. Über 1 300 Dozierende vermitteln in 34 Bachelor- und 24 Master-Studiengängen sowie in zahlreichen Weiterbildungsangeboten praxisnahes und marktorientiertes Wissen. Die Absolventinnen und Absolventen der FHNW sind gesuchte Fachkräfte.

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Quellen:
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