UNO soll Zigarettenfilter verbieten - Schweizer NGOs machen Druck

News von Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz
06.08.2025, Im August 2025 treffen sich Staaten aus aller Welt in Genf, um bei der zweiten Sitzung der fünften
Verhandlungsrunde (INC-5.2) einen internationalen Vertrag gegen Plastikverschmutzung auszuarbeiten.
Nach schwierigen Debatten im November 2024 in Busan, Südkorea, soll dieses Treffen einen endgültigen
Vertragstext hervorbringen. Ein oft übersehener, aber gewaltiger Teil dieses Problems: Zigarettenstummel.
Die hier unterzeichnenden Organisationen fordern hiermit ein Verbot von umweltschädlichen
Zigarettenfiltern.
Jedes Jahr werden weltweit 4.5 Billionen Zigarettenstummel achtlos weggeworfen. Vielen Raucher:innen und Nichtraucher:innen ist nicht bewusst: Zigarettenstummel sind ein kleiner Gegenstand mit gewaltiger Wirkung. "Zigarettenfilter bestehen aus Zelluloseacetat - einem Plastik, das sich langsam zu schädlichem Mikroplastik zersetzt", erklärt Markus Dick, Leiter der NGO stop2drop. Ein weiteres Problem, so Dick: "Zigarettenstummel enthalten über 7'000 Chemikalien, darunter giftige Schwermetalle und Nikotin. Regen und Wasser lösen die Giftstoffe aus den Stummeln und verschmutzen damit den Boden und die Gewässer."
Täuschung mit System: Warum Zigarettenfilter der Gesundheit schaden
Die Tabakindustrie führte die moderne Zigarettenfilter in den 1950er Jahren ein, um die Bedenken der Öffentlichkeit über rauchbedingten Lungenkrebs zu zerstreuen. Diese Zigarettenfilter aus Plastik verwüsten aber unsere Umwelt, ohne den angedeuteten Schutz für die Rauchenden zu gewährleisten. Luciano Ruggia, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz erklärt: "Zigarettenfilter sind ein Marketingtrick der Tabakindustrie. Sie täuschen Schutz vor Schadstoffen vor, sind aber nutzlos. Zigarettenfilter schaden der Gesundheit, weil sie Raucher:innen dazu verleiten, stärker an der Zigarette zu ziehen und die Giftstoffe tiefer in die Lunge aufzunehmen."
Welt verhandelt - Filter ignoriert?
Wenn die Staatengemeinschaft vom 5. bis 14. August 2025 im Palais des Nations in Genf zusammenkommt, um die Verhandlungen über einen internationalen Vertrag gegen die weltweite Plastikverschmutzung zu beenden, dürfen giftige Plastikfilter nicht übersehen werden. "Die Welt verhandelt ein Abkommen gegen Plastikverschmutzung - Zigarettenfilter gehören daher dringend auf die Verbotsliste", fordert Luciano Ruggia. Denn ohne klare Regulierung wird die Umwelt weiterhin durch giftige Zigarettenstummel belastet.
Kein Platz für falsche Lösungen: Tabakfilter ganz verbieten
Das in Genf verhandelte Abkommen zielt auf ein Verbot von Einwegplastik. Für viele Produkte gibt es bereits umweltfreundliche Alternativen - etwa Bambusstrohhalme oder kompostierbare Papiertüten. Bei Zigarettenfiltern gibt es keine nachhaltige Alternative. Die Tabakindustrie versucht, das Verbot mit sogenannten "ökologischen" Filtern zu umgehen - etwa Papierfiltern mit Aufschriften wie "eco filters" oder "green butts" sowie angeblich biologisch abbaubaren Varianten aus Pflanzenfasern. Dies ist klares Greenwashing: Die Filter bleiben hochgiftig und belasten Böden und Gewässer mit Teer, Nikotin und Schwermetallen. Zudem bauen sich viele "Biofilter" nur unter industriellen Bedingungen ab, die in der Umwelt kaum vorkommen. Die Strategie der Industrie zielt darauf ab, Einwegfilter unter neuem Label weiter zu verkaufen. Die Verhandlungen des INC dürfen sich davon nicht täuschen lassen. Für Luciano Ruggia von der AT Schweiz ist klar: "Das Verbot muss alle Filtertypen erfassen - nicht nur solche aus Plastik".
WHO-Konvention ernst nehmen
Zigarettenstummel sind in der Schweiz und weltweit der am meisten achtlos weggeworfene Abfall. AT Schweiz und stop2drop fordern deshalb, dass das Abkommen gegen Plastikverschmutzung Zigarettenfilter verbietet und einen klaren Bezug zur WHO-Tabakkonvention (FCTC) herstellt. Diese Konvention verlangt unter anderem, dass die Politik vor dem Einfluss der Tabakindustrie geschützt wird Umweltverschmutzung von Tabakprodukten berücksichtigt wird. Ein klares Bekenntnis zur FCTC stellt zudem sicher, dass Filter nicht nur als Plastikabfall, sondern als süchtig machende Tabakprodukte mit gravierenden Umwelt- und Gesundheitsschäden behandelt werden.
Politik muss handeln - vier zentrale Forderungen
Die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz und stop2drop fordern gemeinsam:
- Weltweites Filterverbot: Ein umfassendes Verbot aller Zigarettenfilter - unabhängig vom Material - im INC-5.2-Abkommen, inklusive sogenannter "Ökofilter". Filter müssen als schädliche Tabakprodukte eingestuft und vollständig verboten werden.
- Verursacher zahlen: Tabakkonzerne sollen nach dem Verursacherprinzip für Reinigung und Entsorgung der Filterabfälle aufkommen.
- Klarer Rahmen statt Greenwashing: Der Vertrag muss die WHO-Tabakkonvention (FCTC) ausdrücklich einbeziehen, die Einflussnahme der Industrie ausschliessen sowie die Umwelt- und Gesundheitspolitik kohärent verbinden.
- Unabhängige Aufklärung und klare Regeln: Es braucht industrieunabhängige Sensibilisierungskampagnen sowie verbindliche Vorschriften für Sammlung und Entsorgung von Zigarettenabfällen, um Littering wirksam zu bekämpfen.
Über AT Schweiz
Die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz ist das Kompetenzzentrum für Tabakprävention der
Schweiz. Als Dachorganisation zur Förderung des Nichtrauchens umfasst sie heute über 50
Kollektivmitglieder. Die AT Schweiz bietet ihren Mitgliedern ein breites Netzwerk an ExpertInnen und stellt
Fachwissen über Tabakkontrolle und -prävention zur Verfügung. Sie setzt sich mit evidenzbasierten
Angeboten und der Vernetzung der zentralen Akteure für eine nachhaltig gesunde und rauchfreie Schweiz
ein. Mehr zu AT Schweiz:
Über stop2drop
stop2drop wurde 2019 von einer Schulklasse im Kanton Bern initiiert. Seit 2022 ist stop2drop als
unabhängiger Verein organisiert. Ziel von stop2drop ist, Zigaretten-Littering zu bekämpfen und die
Bevölkerung und die Politik für die Umweltverschmutzung und die gesundheitlichen Folgen durch
Nikotinprodukte zu sensibilisieren. Die NGO arbeitet mit einem starken Partner-Netzwerk aus der
Tabakprävention und dem Umweltschutz zusammen. Der Tabakpräventionsfonds unterstützt stop2drop im
Rahmen seines Kinder- und Jugendprogramms. Mehr zu stop2drop:
Wichtige Quellen
- Briefing Paper for INC 5.2, STPA (Stop Tobacco Pollution
Alliance):
https://ots.ch/sqoDdJ (14. Juli 2025) - Artikelserie: Plastik &
Tabak, AT Schweiz (2024):
https://www.at- schweiz.ch/de/wissen/nachhaltigkeit/plastik-tabak/
Die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz hat die Verhandlungen über eine internationale Konvention zur Eindämmung der Plastikverschmutzung zum Anlass genommen, eine sechsteilige Artikelserie zum Thema "Plastik & Tabak" zu entwickeln.
- Haein Choi, Jari Hanhimaki, Hanna Pacht (2025):
The
Hidden Plastic Crisis of Tobaccos. Can one Smoke Without Polluting?
https://ots.ch/i2aLI6 -
Gemäss der WHO landen jährlich weltweit 340 bis 680 Millionen Kilogramm Zigarettenstummel in der
Umwelt. (
"Tobacco and its environmental impact: an overview", WHO, 2017 ) - Zigarettenstummel enthalten über 7'000 Chemikalien -
darunter
insbesondere Schwermetalle und Nikotin. ("
Tobacco and its environmental impact: an overview", WHO, 2017) - Zigarettenfilter sind ein Marketingtrick
aus den 1950er Jahren. ("
The 'filter fraud' persists: the tobacco industry is still using filters to suggest lower health risks while destroying the environment", Evans-Reeves, Lauber, Hiscock, 2021) - Kampagnenseite " Ban all cigarette filters, not just plastic ones " :
https://notobacconow.org/
Auskunftspersonen:
Deutsch : Markus Dick, Geschäftsführer
stop2drop, +41 77 448 35 76,
Nicola Imseng, Kommunikation AT Schweiz, +41 79 396 55 37,
Französisch : Luciano Ruggia, Directeur Association suisse pour la
prévention du tabagisme, +41 78 633 14 42,
Italienisch : Luciano Ruggia,
Direttore Associazione svizzera per la prevenzione del tabagismo, +41 78 633 14 42,
Englisch: Luciano Ruggia, Director Swiss Association for Tobacco Control, +41 78 633 14 42,
--- ENDE Artikel UNO soll Zigarettenfilter verbieten - Schweizer NGOs machen Druck ---
Über Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz:
Heute umfasst der Verein über 50 Kollektivmitglieder: nationale und kantonale Gesundheitsligen (z.B. die Lungenliga Schweiz, die Krebsliga Zürich), Organisationen aus dem öffentlichen und privaten Gesundheitswesen sowie Kantone und Versicherungen.
Zugleich ist die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz eine Fachorganisation. Diese Doppelfunktion ermöglicht die Koordination der vielfältigen Aktivitäten der Mitglieder in der Förderung des Nichtrauchens.


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